Netzwerk Essstörungen Lüneburg

Essstörungen - Formen

Anorexie

Eine zentrale Rolle spielt die panische, oft wahnhafte Befürchtung, übermäßig Gewicht zuzunehmen und das verzweifelte Bemühen, Bedürfnisse unter Kontrolle zu halten. Im Vordergrund der Magersucht steht der starke Wille, das Körpergewicht dauerhaft abzusenken. Am häufigsten ist die Störung bei Mädchen und jungen Frauen.
Die Wahrnehmung der Magersüchtigen, bezüglich des eigenen Körpergewichts, ist gestört. Trotz des enormen Gewichtsverlustes überschätzen sie ihren Körperumfang und empfinden sich als zu dick. Durch diese verzerrte Körperwahrnehmung bemühen sich die Anorektikerinnen, ihr vermeintliches Übergewicht zu verringern. Daher nehmen sie nur eine geringe Menge an Nahrung zu sich und vermeiden hochkalorische Lebensmittel. Manche Patientinnen verweigern zeitweise die Nahrungsaufnahme komplett. Es wird viel Energie verwendet, um ein Hungergefühl zu unterdrücken oder sie bereiten sogar mit großem Eifer Mahlzeiten für andere zu, ohne selbst daran teilzunehmen. Teilweise wird sogar von den Betroffenen neben der strengen Diät, zusätzlich Abführmittel, Appetitzügler und sportliche Betätigung eingesetzt, um Gewicht zu verlieren. Bei Magersüchtigen finden sich außerdem zusätzlich häufig depressive Symptome und Reizbarkeit. Weiter ziehen sie sich vermehrt aus ihrem sozialen Umfeld zurück und isolieren sich.
Eine Magersucht kann bei längerer Dauer zu gravierenden Gesundheitsproblemen führen.


Bulimie

Von der Ess-/Brechsucht Betroffene sind häufig normalgewichtig, dennoch überzeugt, "zu dick" zu sein. Bei dem Wunsch, nur wenige Kilo abzunehmen, kommt es zu wiederholten Diätversuchen, die scheitern, so dass das beginnende Erbrechen nach den Mahlzeiten zunächst eine Lösung zu sein scheint. Die erhoffte Gewichtsabnahme bleibt aus, da die Betroffenen meist zunehmend essen.
Begleitend kommt es zu Gefühlen von Ekel, Schuld- und Schamgefühle und starker Selbstabwertung, was zur Selbstisolation führt, mit beginnenden Depressionen. Auftretende innere Unruhe und Spannungszustände führen zu vermehrten Essanfällen. Bulimikerinnen haben einen hohen Leidensdruck und fragen wegen der großen Schamgefühle nicht gerne um Hilfe.
Die körperlichen Folgen sind auf Dauer gravierend.


Binge-Eating

Das wesentliche Kennzeichen ist das wiederholte Auftreten von Heißhungerattacken bzw. Essanfällen, ohne regelmäßig angewandte Maßnahmen zur Gewichtsreduktion. Demzufolge leiden Betroffene häufig auch an Übergewicht (BMI: 25-30) oder Adipositas (BMI: > 30). Deshalb ist hier häufig aus medizinischen Gründen eine Behandlung notwendig.
Bezeichnend für die Essanfälle ist, dass in relativ kurzer Zeit relativ viel gegessen wird und es zu einem Kontrollverlust während des Essens kommt, die Menge also nicht gesteuert werden kann. Es kommt zu regelmäßigen Essanfällen. Ohne Hunger wird mehr und schneller als normal gegessen, bis zu einem unangenehmen Völlegefühl. Begleitend werden deprimierte Gefühle, Schuldgefühle, Ekel, Selbstvorwürfe spürbar.
Eine Gewichtszunahme findet meist automatisch statt, weil mehr Nahrung aufgenommen wird, als der Körper verbrauchen kann.
Neben den körperlichen Risiken durch das Übergewicht kommt es zu Selbstkonflikten und Depressionen. Essen wird als Ersatzbefriedigung bei teilweise großer emotionaler Belastung eingesetzt und als entlastend empfunden.